Wie pflege ICH meine Calatheas? - Ein Einblick in mein Pflanzenreich.
- boedefeld

- 1. Feb.
- 6 Min. Lesezeit
Heute wird es etwas persönlicher, denn ich erzähle dir, welche Bedingungen bei mir herrschen, wie ich meine Calatheas pflege und wie ich mit Sorgenfällen umgehe.
Starten wir zunächst mit ein paar allgemeinen Daten
Ich habe ca. 100 Pflanzen oder zumindest bei dieser Anzahl aufgehört zu zählen. Mal kommen ein paar hinzu, manchmal verabschiedet sich die ein oder andere. Und ja, auch mit fortgeschrittener Erfahrung kann man nicht jede Pflanze retten, das ist vollkommen normal und auch in Ordnung.
Alle meine Marantaceae (und Kaempferia) leben derzeit in einem Zimmer mit etwa 15qm und zwei Fenstern, welche Richtung Osten ausgerichtet sind.
Neben den ca. 100 Pflanzen leben hier zudem 3 Kater im Haushalt, die anfangs durchaus fleißig an den Pflanzen gefuttert haben - das haben sie inzwischen aber glücklicherweise aufgehört.
Welche Grundbedingungen herrschen hier für meine Marantaceae?
Baulich bedingt habe ich hier grundsätzlich immer eher mit zu hoher Luftfeuchtigkeit zu kämpfen, weswegen ich häufig einen Luftentfeuchter laufen habe. Damit kann ich die Luftfeuchtigkeit meistens auf 50-60% halten. Wenn ich könnte, würde ich sie aber tatsächlich gerne noch weiter runter setzen.
Der Irrglaube, dass Marantaceae eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit benötigen hält sich ja leider sehr hartnäckig. Fakt ist aber, dass man weder sich, noch den Pflanzen, einen Gefallen damit macht, wenn die Luftfeuchtigkeit in Räumen dauerhaft über 60% ist. Deswegen an dieser Stelle nochmals erwähnt, 45-60% sind auch für Marantaceae komplett fein.
In der Regel sind es hier im Pflanzenzimmer circa 22-24°C, im Sommer kann das aber natürlich auch nochmals etwas höher sein.
Die Pflanzen, die am Fensterbrett stehen, haben eigentlich den besten Platz von allen, deswegen nenn ich das auch oft den VIP-Bereich. Alle anderen im Raum bekommen hingegen nicht viel natürliches Licht, vor allem jetzt im Winter.

Deswegen habe ich das komplette Zimmer inzwischen mit zusätzlichen Lampen bestückt, welche 12h/Tag den Großteil der Sammlung mit Licht versorgen.
Ich persönlich bin von der Qualität der "Sansi" Glühbirnen überzeugt. Hier lohnt es sich tatsächlich auch die Augen offen zu halten, weil sie öfters bei Amazon im Angebot sind.
Aber auch die Lampen von "Barrina" finde ich sehr gut. Sie sind super praktisch für Regale, bieten diverse Befestigungsmöglichkeiten und lassen sich mehrfach in Reihe zusammen stecken (spart zusätzlichen Kabelsalat).
Apropos sparen: Wer bedenken bzgl. der Stromrechnung hat, dem kann ich hier lediglich sagen, dass der Einsatz der Pflanzenlampen bei mir keine merkliche Steigerung der Stromkosten verursacht hat.

Zum Thema Substrat: Ich habe inzwischen alle meine Pflanzen in Selbstbewässerung mit dem "Green Jungle Mix" (auch dieser ist entweder über www.floragard.de günstiger im Doppelpack erhältlich, oder hin und wieder auf Amazon im Angebot).
Das Umsteigen auf Selbstbewässerung hatte für mich diverse Gründe, aber der größte Punkt war für mich die Zeitersparnis beim Gießen.

Aber wie gieße ich denn eigentlich meine Pflanzen?
Wie oben erwähnt, läuft bei mir häufig ein Luftentfeuchter, der (leider) auch relativ viel Wasser zusammen sammelt. Mein Gießwasser besteht inzwischen aus einer Mischung aus Wasser vom Entfeuchter und Leitungswasser. Ich mische das im Verhältnis 2:3, wodurch ich am Ende auf einen Leitwert von circa 350µS komme.

Der pH-Wert liegt bei mir auch bei der 2:3 Mischung weit über pH 7, sodass ich das Gießwasser inzwischen auf pH 5,8 einstelle.
Durch Nachmessungen musste ich leider feststellen, dass der pH-Wert auch durch Einstellen mit Phosphorsäure nicht längere Zeit stabil bleibt und bereits nach einem Tag wieder höher ist. Deswegen setze ich ihn etwas unter pH 6 an, weiter als pH 5,8 runter zu setzen würde ich aber nicht empfehlen.

Meine Marantaceae sind insgesamt sehr durstige Exemplare, sodass ich meist 2x wöchentlich Wasser nachlegen muss, wobei ich darauf achte, dass der Wasserstandsanzeiger nur auf mittlerer Höhe ist.
Gesprochen von Gießen: Wann, wie und womit fütter ich meine Pflanzen?
Zugegeben, ich war zuerst skeptisch, als mir meine Schwester von den "Hesi" Produkten erzählt hat. Mein erster Gedanke war, dass diese einfach nur online gehyped werden - warum auch immer.
Ich habe mich dann aber dennoch auf einen Versuch eingelassen und muss eingestehen, dass mich "Hesi" tatsächlich überzeugt hat.
Deswegen bekommen alle Marantaceae inzwischen regelmäßig "SuperVit", "Power Zyme" und ab und an "Hesilicio".

Exemplare, die frisch umgetopft sind, bekommen zudem "Wurzel Complex", der Stress reduzieren soll. Ob das tatsächlich hilft, oder ob ich mit der Zeit einfach nur geübter bin im Umtopfen von Erde auf mineralisches Substrat, das kann ich so nicht beurteilen.
Neben dem "regulären" Futter, gebe ich alle 4-5 Wochen Dünger, ganzjährig. Hier benutze ich, ebenfalls von "Hesi", das "Houseplant Elixir" und versuche, wenn zeitlich machbar, alle Töpfe bzw. Steine vor der Düngung gründlich durchzuspülen.

Wann topfe ich Pflanzen um und woher weiß ich in welche Topfgröße?
In der Regel topfe ich neue Marantaceae - wenn möglich - direkt nach dem Kauf um. Damit habe ich persönlich die besten Erfahrungen gemacht und kann dadurch sofort die Wurzeln kontrollieren.
Außerdem habe ich den Eindruck, dass dadurch nur eine Stressphase entsteht und die neue Marantaceae dann in Ruhe ankommen kann, ohne nach ein paar Wochen wieder gestört und gestresst zu werden. Das ist aber freilich mein persönliches Empfinden bzw. eigene Erfahrung und kein Fakt.
Alle anderen Exemplare topfe ich ganzjährig um, wann immer es nötig ist.
Bei Pflanzen, die neu von Erde in mineralisches Substrat ziehen, halte ich den Wasserstand die ersten Tage nur knapp über Minimum und beobachte die Reaktion darauf.
Manchmal wird empfohlen, gar kein Wasser im Reservoir zu halten und das Substrat nur alle paar Tage durchzuspülen. Das war mir persönlich aber ehrlich gesagt zu kompliziert bzw. zu aufwendig und so habe ich es wie oben beschrieben getestet und durch Erfolg für gut befunden. Man muss ja auch nicht immer alles verkomplizieren, oder?
Die passende Topfgröße zu wählen ist jedoch wichtiger, als manch einer vielleicht denken mag. Der Topf sollte so klein wie möglich, aber so groß wie nötig sein. Heißt, die Wurzeln sollten eben darin Platz haben, aber nicht extrem viel freien Raum bieten.
In der Regel setze ich Marantaceae in kleinere Selbstbewässerungseinsätze, als die Topfgröße, in der sie gekauft wurden. Also zum Beispiel gehen meistens Pflanzen von gekauft in 19cm Topfgröße in 17cm Selbstbewässerung, weil der Topf mit Erde schlichtweg viel zu groß ist für die vorhandene Wurzelmenge.
Wie siehts denn beim Thema Schädlingen aus?
Neue Marantaceae wandern auf direktem Weg in die Dusche und bekommen erst einmal eine Reinigung mit lauwarmen Wasser und Schmierseife. Immer. Zum Beispiel mit diesen Produkten:
Wegen meiner Katzenkinder, auch wenn sie inzwischen nur noch selten und vereinzelt Exemplare attackieren, benutze ich komplett kein Gift gegen Schädlinge. Das ist mir einfach zu riskant, obwohl der Großteil meiner Sammlung tatsächlich auch durch das Stehen im Regal nicht zugänglich ist. Aber Sicherheit geht vor!
Deswegen bringe ich regelmäßig Nützlinge aus. Ich kombiniere meist folgende, je nach Zweck:
Florfliegenlarven, wenn ich größere Thripse entdecke und als effektive "Sofortmaßnahme"
Amblyseius Swirski, wenn ich noch sehr kleine, junge Thripse sehe. Swirski halten sich aber nicht besonders lange, dienen bei mir daher auch eher als "aggressive Sofortmaßnahme".
Amblyseius Cucumeris ist mein 'Go-to' und die Raubmilben halten sich lange - zum Teil gut 6-8 Wochen. Ich nutze diese eigentlich durchgehend, also vor allem auch vorbeugend.
Neoseiulus Californicus nutze ich ab und an ebenfalls vorbeugend, hauptsächlich aber gegen Spinnmilben.
Für die deutschen Leser kann ich an dieser Stelle den online-Shop www.gruenteam-versand.de empfehlen. Die Lieferung ist immer sehr schnell und die Raubmilben und Florfliegenlarven haben immer fleißig gearbeitet. Ich hatte schon bei anderen Anbietern bestellt, welche zum Teil teurer waren, und zudem keine lebenden Larven/Milben bei mir ankamen. Ärgerlich!
Wie gehe ich mit jungen, geschwächten oder kranken Exemplaren um?
Der absolute Game Changer bei dem Thema ist für mich ganz klar: Moos! Seit ich Pflanzen, egal aus welchem der o.g. Gründe in Moos setze, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie neue Wurzeln bilden, Nachwachsen oder sich "nur" erholen drastisch gestiegen.

Zusätzlich benutze ich verschiedene Gewächshäuser, um die Luftfeuchtigkeit für diese Kandidaten deutlich nach oben zu setzen.
Egal ob die eher hübscheren von Ikea oder ein "nur" funktionales Gewächshaus, sie halten alle sehr gut die Luftfeuchtigkeit. Auch die von Ikea benötigen meiner Meinung nach kein zusätzliches Anbringen von Dichtungen.

Dieser erste Einblick in mein Pflanzenreich stellt selbstverständlich keine Anleitung dar, sondern dient lediglich dazu zu zeigen, wie ich meine Calatheas pflege, unter welchen Bedingungen sie bei mir leben und welche Produkte ich verwende. Denn manchmal kommt die Frage auf: "Wie machst du das eigentlich?"
Und für weitere interessante Themen, auch jene, die auf Fakten beruhen, findest du hier in unserer Blog-Übersicht viele weitere Beiträge.


















Kommentare